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„Wen es trifft“ – Ein Tanztheaterstück (2016/17)

- 1. April 2019

Die Tanztheaterproduktion, die das Tanztheater Stakkato  am  2016/17 mit  Gastspielen ins Emmatheater Osnabrück gebracht hat, lehnt sich an das Thema FLUCHT an.

Phänomene menschlichen Verhaltens in zwanghaften Mechanismen zwischen dem Einzelnen und den Hierarchien,  die der Philosoph Elias Canetti in seinem Hauptwerk „Masse und Macht“ (Fischer Verlag 1952),  Kapitel ‚Fluchtmassen’ beschreibt, – die unter Bedrohung instinktiven, archetypischen Verhaltensmuster von Menschen in  Ausnahmezuständen – sind eine der Grundlagen für die inhaltliche Entwicklung der Produktion.

 „Die Fluchtmasse wird durch Drohung hergestellt. Es gehört zu ihr, dass alles flieht; alles wird mitgezogen. Die Gefahr, von der man bedroht wird, ist für alle dieselbe. Sie konzentriert sich auf einen bestimmten Ort. Sie macht keinen Unterschied. Sie kann die Bewohner einer Stadt bedrohen oder alle, die eines Glaubens sind, oder alle, die ein und dieselbe Sprache sprechen. Man flieht zusammen, weil es sich so besser flieht. Die Erregung ist dieselbe: die Energie der einen steigert die der anderen, die Mensche stoßen einander in dieselbe Richtung fort…“.

Anlass und Herausforderung dieses Tanzstück zu entwickeln war, dass die dynamischen Wirkweisen von Flucht und Vertreibung, – wiederkehrend durch die Geschichte der Menschheit –  ein Spiegel ist für real existierendem   Machtmissbrauch, Unterdrückung, Ausbeutung, Profitgier, der Schere zwischen Armut und Reichtum heute und  somit Nährboden  für das Schüren von Angst gegen vermeintlich Fremdes und Fremde.    

Es sind intensiv berührende Tanzbilder und Tanzsequenzen, medial mit Video, Text, Livemusik verschränkt,  die die emotionale Befindlichkeit in Zuständen existentieller Bedrohung, Entwurzelung, Ausweglosigkeit  hin zu  Hoffnung  auf Freiheit  und Selbstverwirklichung aufzeigen. Sie ‚sprechen’ von einem globalen Verständnis menschlichen Verhaltens,  dass jeder von uns,  außer im eigenen Land,  ein Fremder ist.

Tanztheater, Körpersprache mit seinem unmittelbaren, assoziativ offenen Ausdrucksvokabular  ermöglicht  den direkten emotionalen Transfer dieses Themas.

Dramaturgisch und choreografisch  entwickelt sich die Thematik in einer Collage aus Tanz, Video  und Text (u.a. Canetti) und  eines für die Produktion komponierten Soundtracks, der live eingespielt wird.

Mitwirkende
  • TänzerInnen: Dorothee Albers, Beate Benninghoff, Mira Dadhe, Stefanie Essing, Susanne Geiger, Doris Maria Lagemann, Heike Ostendorf, Heinz Schweer, Laura Ax
  • Videokonzept: Erneste Junge
  • Videolayout/-schnitt: Manfred Pomorin
  • Musiker: Franko Frankenber
  • Künstlerische Leitung | Choreographie: Erneste Junge