© 2019 Erneste Junge

Produktionen

„In Resonanz II   –   Das Museum eine Weltenbühne“
Tanz/Livemusik/Performance  (2018) 

Projektreihe „20 Tage- Freunde zu Gast im Felix-Nussbaumhaus“

Die wirkungsmächtige Szenerie des Felix-Nussbaum-Hauses im Innen- und Außenbereich ist den 8 Tänzer*innen des TANZTHEATER STAKKATO Osnabrück gemeinsam mit   7 eingeladenen Gasttänzer*innen Inspirationsquelle und Bühnenraum für eine 5-stündige Performance, in welche die Besucher*innen zu jeder Zeit eintauchen können.

Wie in einem Lebenskarussell  spielen die Figuren auf, eigenwillige, bezaubernde und tiefgründige Charaktere –  sie  agieren, tanzen, lachen, weinen.

Es entstehen tänzerische und theatralische Vexierbilder – rätselhaft und surreal, sinnlich, konfrontativ, ambivalent –  Spiegelbilder möglicher  Sehnsüchte,  Ängste und  Freuden des Betrachters.

Hierbei ist die Wechselwirkung von Livemusik und Tanz im Zusammenspiel mit der Akustik des Museums von besonderem Reiz.

Durch die Szenerie führt der Pantomime Manfred Pomorin die Zuschauer*innen und Tänzer*innen mit magischem Dirigat.  

  • Konzept/ Inszenierung/ Choreographie: Erneste Junge, Osnabrück
  • 8 TänzerInnen des Tanztheater Stakkato Osnabrück sowie 8 GastTänzerInnen
  • Keyboards/Schlagwerk: Franko Frankenberg, Osnabrück  
  • Saxofon: Andreas Burckhardt und Rolf Bartels, Hannover
  • Sprecher/Darsteller: Manfred Pomorin, Osnabrück

„In Resonanz“ (2017)

Die Performance „In Resonanz“ ist ein Dialog des  mit der Ausstellung  „Danse Macabre. Tanz und Tod in der Kunst des frühen 20.Jahrhunderts“ (2017) des Felix Nussbaumhauses Osnabrück.

Die Tanz- und Klangkomposition vermittelt atmosphärisch inmitten der architektonischen Besonderheit  des Ortes an verschiedenen Spielorten eine zeitlose Dimension individueller Vergänglichkeit.

Die Performance nimmt u.a. Bezug  auf das Gemälde „Totentanz“ Ernst Ludwig Kirchners von 1924, ein Werk, das inspiriert wurde durch die „Totentänze“ von Mary Wigman. Die Performance wurde thematisch in der Tradition und dem Bewegungsstil des Ausdruckstanzes in Verbindung zum zeitgenössischen Tanztheater  entwickelt. 

„Wen es trifft“  – Ein Tanztheaterstück (2016/17)

Die Tanztheaterproduktion, die das Tanztheater Stakkato  am  2016/17 mit  Gastspielen ins Emmatheater Osnabrück gebracht hat, lehnt sich an das Thema FLUCHT an.

Phänomene menschlichen Verhaltens in zwanghaften Mechanismen zwischen dem Einzelnen und den Hierarchien,  die der Philosoph Elias Canetti in seinem Hauptwerk „Masse und Macht“ (Fischer Verlag 1952),  Kapitel ‚Fluchtmassen’ beschreibt, – die unter Bedrohung instinktiven, archetypischen Verhaltensmuster von Menschen in  Ausnahmezuständen – sind eine der Grundlagen für die inhaltliche Entwicklung der Produktion.

 „Die Fluchtmasse wird durch Drohung hergestellt. Es gehört zu ihr, dass alles flieht; alles wird mitgezogen. Die Gefahr, von der man bedroht wird, ist für alle dieselbe. Sie konzentriert sich auf einen bestimmten Ort. Sie macht keinen Unterschied. Sie kann die Bewohner einer Stadt bedrohen oder alle, die eines Glaubens sind, oder alle, die ein und dieselbe Sprache sprechen. Man flieht zusammen, weil es sich so besser flieht. Die Erregung ist dieselbe: die Energie der einen steigert die der anderen, die Mensche stoßen einander in dieselbe Richtung fort…“.

Anlass und Herausforderung dieses Tanzstück zu entwickeln war, dass die dynamischen Wirkweisen von Flucht und Vertreibung, – wiederkehrend durch die Geschichte der Menschheit –  ein Spiegel ist für real existierendem   Machtmissbrauch, Unterdrückung, Ausbeutung, Profitgier, der Schere zwischen Armut und Reichtum heute und  somit Nährboden  für das Schüren von Angst gegen vermeintlich Fremdes und Fremde.    

Es sind intensiv berührende Tanzbilder und Tanzsequenzen, medial mit Video, Text, Livemusik verschränkt,  die die emotionale Befindlichkeit in Zuständen existentieller Bedrohung, Entwurzelung, Ausweglosigkeit  hin zu  Hoffnung  auf Freiheit  und Selbstverwirklichung aufzeigen. Sie ‚sprechen’ von einem globalen Verständnis menschlichen Verhaltens,  dass jeder von uns,  außer im eigenen Land,  ein Fremder ist.

Tanztheater, Körpersprache mit seinem unmittelbaren, assoziativ offenen Ausdrucksvokabular  ermöglicht  den direkten emotionalen Transfer dieses Themas.

Dramaturgisch und choreografisch  entwickelt sich die Thematik in einer Collage aus Tanz, Video  und Text (u.a. Canetti) und  eines für die Produktion komponierten Soundtracks, der live eingespielt wird.

Mitwirkende
  • TänzerInnen: Dorothee Albers, Beate Benninghoff, Mira Dadhe, Stefanie Essing, Susanne Geiger, Doris Maria Lagemann, Heike Ostendorf, Heinz Schweer, Laura Ax
  • Videokonzept: Erneste Junge
  • Videolayout/-schnitt: Manfred Pomorin
  • Musiker: Franko Frankenberg
  • Künstlerische Leitung | Choreographie: Erneste Junge

„Be Happy –  Don`t Worry – ein Märchen“ (2014/15)

Tanztheater Stakkato Osnabrück in Zusammenarbeit mit FreshDance Osnabrück  –  Städtische Bühnen –  Emmatheater Osnabrück

Die alten Fragen, was ist der Sinn, was ist Glück, sind für den Wanderer S auf seinem Weg durch die Welt scheinbar ganz einfach zu beantworten. Obwohl er  ständig auf menschlich-allzumenschliches stößt, ist für ihn eine zerrissene, absurde  Welt  kein Einwand gegen das Leben.

Die neue Produktion Be Happy, Dont´t Worry – ein Märchen, die im Juni erfolgreich Premiere im Emmatheater hatte, interpretiert  das alte Thema der Sinnsuche neu. Die sechzehn TänzerInnen des Tanztheater Stakkato  und FreshDance  lassen die Zuschauer eintauchen in schillernde Vexierbilder, Suchbewegungen auf der fließenden Grenze zwischen Leichtigkeit, Glück und der dunklen Seite des Lebens.

Die musikalische Atmosphäre dazu schafft  live der Keyboarder und Percussionist Franko Frankenberg.

Tanztheater Stakkato:
  • Dorothee Albers, Beate Benninghoff, Mira Dadhe, Heinz Schweer, Doris Maria Lagemann
FreshDance:
  • Angelika Kleine-Kalmer, Elke Höweler, Theresia Wilger, Anke Winkler, Maya Rennoch, Angelika de Joung, Birgit Heiser Lohmann, Heike Ostendorf, Stefanie Huppert-Essing
Special Guests:  
  • Tänzer: Dirk David
  • Darsteller: Manfred Flucht
Choreographie:
  • Erneste Junge

„Nichts geht verloren“ –  Tanzmusikperformance auf dem Historischen Hasefriedhof Osnabrück  (2015)

Für diesen zur Parklandschaft erklärten ehemaligen Friedhof, gelegen zwischen zwei Verkehrsstraßen, wo Stadtgeschichte auf die Geräusche der Gegenwart trifft, hat  das Tanztheater Stakkato eine Performance entwickelt, die diesen Ort in seiner Ästhetik neu erlebbar macht.

Dieser außergewöhnliche Ort bietet  Anlass, die menschliche Existenz in ihrer Verletzlichkeit und Begrenztheit spürbar werden zu lassen und zu hinterfragen, was essentiell im Leben wichtig ist, abgesehen von Hektik im Fahrwasser des Alltags.

Aus der Anmutung des Ortes sind mit den Stilmitteln des zeitgenössischen Tanzes kreatürlich stilisierte Tanz- und Stimmungsbilder choreographiert worden, die die Verbundenheit und Abhängigkeit von Mensch und Natur, von Werden und  Vergehen, versinnbildlichen.

Acht TänzerInnen des Tanztheater Stakkato und der Musiker Heinz Brockmann, Saxofon,  in der Choreographie von Erneste Junge, sind an der Produktion beteiligt.

„Wege nach innen“  (2015),  Capella Hospitalis, Bielefeld
„Urformen der Kunst“ – Die schwarz-weiß Makrofotografie von Karl Blossfeldt

Das Tanztheater Stakkato hat speziell für die Capella Hospitalis, Bielefeld, eine Tanz/Livemusik/Performance zu Fotografien des bekannten Fotografen Karl Blossfeldt entwickelt. Es sind Bewegungsbilder, die durch ihre organische Körperlichkeit die formal wirkenden Fotografien assoziativ aus ihrer Statik befreien und so Fotografie zu Tanz transformieren. 

Die tänzerische Umsetzung dieser streng, formal und  abstrahiert wirkenden Pflanzenbildwelt Blossfeldts, der Mitte der 20iger Jahre des vorigen Jahrhunderts in der Kunstwelt bekannt wurde, ist durch die Zusammenarbeit mit  Dr. Jürgen Conrady, der über Blossfeldt sprechen wird, angeregt worden. 

TänzerInnen:
  • Dorothee Albers, Mira Dadhe, Beate Benninghoff, Steffi Essing, Susanne Geiger, Doris Maria Lagemann,  Heinz Schweer
Saxofon :
  • Heinz Brockmann
Choreographie :
  • Erneste Junge

„BODYSHAPE – EXTRAS INCLUSIVE“ 2011/12

Die neue Produktion des Tanztheater Stakkato Osnabrück, die eine vielbeachtete Premiere im Frühjahr im Blue Note hatte, kommt mit zwei Gastspielen ins emma-theater Osnabrück. In einem ungewöhnlichen, expressiven Crossover werden World-, Jazz-, Avantgardemusik und Tanztheater aufeinandertreffen. Hintergrund der Performance ist ein satirischer Blick unter die Oberfläche der Modewelt mit ihrem schönen Schein, ihrem Körperkult und rigidem Körpermanagement.

Die Zusammenarbeit des Tanztheater Stakkato mit den Musikern Franko Frankenberg, Synthesizer, Percussion, Heinz Brockmann, Sax Klarinette, Hila A. Siebel, Stimme, Gesang, Willem Schulz, Cello und Holger Schwetter ‚Gitarre hat sich in vielen Produktionen für die Bühne als synergetisch explosive Mischung der beiden Genres erwiesen.

Das Extra, das die delikat-sinnlichen und auch trashig-bizarren Tanzbilder der neuen Produktion inspiriert hat, ist das Kostümdesign von Patricia Mersinger, Osnabrück. Ein kühner Mix aus Alltagsmaterialien und Fundstücken mit erotisch surrealem Flair. (NOZ vom 16.4.11 … überhaupt prägten außergewöhnliche und zum Teil spektakuläre Outfits den Auftritt des Tanztheater Stakkato im Blue Note)

TanzerInnen:
  • Dorothee Albers, Johanna Bethge, Beate Benninghof, Mira Dadhe, Hannah Marie Heuking, Heinz Schweer
Konzeption/ Choreographie:
  • Erneste Junge

„MUSIK.MACHT.TANZ“ (2009/10)

Das Tanztheater Stakkato, mit seinen Stücken bekannt für die Verbindung von Tanz, Livemusik und Video, kommt mit seiner neuen Produktion, an der sechs Tänzer und vier Musiker beteiligt sind, wieder ins Lutherhaus Osnabrück.

Die Performance in ihrer tänzerischen und musikalischen Ausprägung verfolgt die Spur kalligrafischer Zeichnungen sowie surrealer Bildwelten. Im Wechsel von und meditativer Einfachheit und dramatischer Akzentuierung werden Raum-, Klang und Bewegungsspuren entwickelt.

Im Dialog entsteht (Zitat NOZ vom 3.3. 09) „ein Gesamtkosmos aus Musik, Tanz, Raum, ein Crossover der Künste, bei dem Musik und Bewegung sich gegenseitige Impulse geben. () In dem neuen von Erneste Junge konzipierten und choreographierten Stück des Tanztheater Stakkato ist alles Tanz. Selbst Instrumente und andere Objekte werden Teil davon.  Auch zwischen Musikern und Tänzern. Willem Schulz tauscht sein Cello gar gegen eine Tänzerin aus und streicht ihr mit dem Bogen über den Bauch. Den Höhepunkt findet die Performance, als Tänzer und Musiker ein kleines Podest erobern und Assoziationen an Meer und Land, an Bewusstsein und Unterbewusstsein geweckt werden. Atemlos verfolgt das Publikum im Lutherhaus die intensive Performance…“

TänzerInnen:

Dorothee Albers, Beate Benninghoff, Mira Dahde, Dagmar Haverkamp, Huh Yoon Sun, Heinz Schweer.

Musiker:
  • Heinz Brockmann: Klarinette, Saxofon
  • Franko Frankenberg: Keyboards, Piano
  • Willem Schulz: Cello
  • Hila A. Siebel: Stimme, Gesang
Konzept & Choreographie:
  • Erneste Junge

„Der Auftrag“  (2007/8)

DER AUFTRAG – Eine Collage aus Tanz/Text/Video/Live Musik
nach einem Monolog „Der Mann im Fahrstuhl“ aus dem Theaterstück
„Der Auftrag“ (1979) von Heiner Müller

Der Monolog „Der Mann im Fahrstuhl“, ein Auszug aus dem Theaterstück „Der Auftrag“ (1979) von Heiner Müller, ist als eine Allegorie auf traumatische Erfahrungen der Moderne zu verstehen. Aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts heraus geschrieben, spiegelt er das Scheitern politischer Utopien und konfrontiert mit Gewalt, Verrat und Korruption heute.

Das Tanztheaterstück spiegelt und konterkariert den Monolog und begegnet dem Sprachkunstwerk Heiner Müllers nicht in narrativer Weise, sondern in der Widerspiegelung von Atmosphären, in Zwischentönen und mit Sprengstücken körperlichen Ausdrucks in seinen Affekten.

Auf der Suche eines Angestellten nach seinem Chef, um einen ihm unbekannten Auftrag in Empfang zu nehmen greift das Stück inhaltlich die paradoxe Verbindung von Scheitern und Hoffnung in Heiner Müllers Text auf. Es entstehen eindrückliche Gegenbilder, die „die Blume der Hoffnung“ durchscheinen lassen und dem Grundbedürfnis des Menschen nach Lebenssinn oder „Auftrag“ nachgehen. Die tänzerischen Parts werden durch ein bewegliches Bühnenbild, Videoeinspielungen und Livemusik atmosphärisch und thematisch verstärkt. Der Tanz in seiner eigenständigen Kraft wird zum Gegenüber, sucht, wie es im Monolog heißt, den Antipoden, mit seinem „Gesicht aus Schnee“.

Die Neue Osnabrücker Zeitung schrieb nach der Premiere im Oktober 2007 hierzu:

“ Es entstehen beeindruckende Bilder. Etwa wenn zwei TänzerInnen zu Tischbeinen mutieren und ihnen eine Platte auf ihre in die Luft gestreckten Füße gelegt wird. Dahinter nimmt eine Angestellte Platz, die eifrig unterschreibt und telefoniert. Aber hinter ihr steht eine weitere Tänzerin, die Arme und Körper ihrer Partnerin bewegt. Deutlicher kann Fremdbestimmung nicht werden. Und wenn sechs TänzerInnen Wände aufstellen, sich dazwischen bewegen wie zwischen Gefängnismauern, liegt der Gedanke an den Fahrstuhl im Monolog nicht fern. Atmosphärisch unverzichtbar sind Franko Frankenbergs treibende Beats aus metallischen und synthetischen Klängen…Außerdem hat Junge aus Filmen des Media Art Festivals Videobilder zusammengestellt. So ist ein spannendes Tanzstück entstanden, dessen Bilder lange im Gedächtnis bleiben…“

TanzerInnen:
  • Dorothee Albers, Beate Benninghoff, Gunde Cordsen, Dagmar Haverkamp, Sarah Harkens, Martin Henke, Huh Yoon Sun, Kai Kaldrak, Heinz Schweer
Video:
  • Erneste Junge (u.a. Verwendung von Material des EMAF Osnabrück
Livemusik:
  • Franko Frankenberg
Text vom Band:
  • Michael Eickhorst
Konzeption, Choreographie:
  • Erneste Junge

„ZEITlebens“ – ein Tanztheaterstück (2003/04)

Die Wahrnehmung von Zeit in Abhängigkeit vom menschlichen Befinden und Verhalten ist ein ewiger Schnittpunkt von Fragen und Widersprüchen.
„Ich weiß genau, was die Zeit ist“, soll Augustinus gesagt haben, „nur wenn ich darüber nachdenke, verwirrt sich mir der Sinn.“

Das Tanztheater STAKKATO, Osnabrück setzt sich mit dem Unterschied von physikalischer und subjektiv erlebter Zeit auseinander. Die Tänzerinnen begeben sich in einer szenischen Collage aus Tanz, Texten, Livemusik und Video auf eine Reise ohne garantierte Rückfahrkarte. Als Zeitreisende werden sie den Kampf gegen die Uhr aufnehmen, um Momente in Augenblicke der Ewigkeit zu verwandeln. Dabei wird das persönliche Verhältnis zur Zeit mit seinen Paradoxien und Wundern aufscheinen, wie: „wer mit der Zeit mitläuft, wird von ihr überrannt, aber wer stillsteht, auf den kommen die Dinge zu“, oder „die Minuten verflossen langsam, aber die Stunden vergingen schnell.“

Die Zeit ist unbegreiflich. Nichts und niemand kann sich aus ihr entfernen. Zeitlosigkeit ist eine Illusion

Tänzerinnen:

  • Dorothee Albers,Beate Benninghoff, Mira Dadhe, Bry Kotzke, Jutta Krüger, Gabriele Schlenstedt, Wolfgang Schröder, Gunde Cordsen, Vera Venjakob
Musiker:
  • Franko Frankenberg: Keyboard, Percussion
  • Willem Schulz: Cello
Texte vom Band:
  • Manfred Pomorin
Video:
  • Vera Venjakob, Erneste Junge
Konzeption und Choreografie:
  • Erneste Junge

„NANAS“  (1998/2000)

Das Projekt „NANAS“ wird als Walkact sowie als Performance aufgeführt, ist inspiriert von den sinnlich-prallen, schillernden, verspielten Nanaplastiken der Niki de Saint Phalle. Aus dem Kontrast von üppiger Körperlichkeit in brillant-greller Kostümierung und einer Leichtfüssigkeit, Kontaktfreude und witzigen Animation der Figuren, entsteht ein heiter-lustvoller, tänzerischer Bilderbogen.

„…Gängige Vorstellungen von jungen, schlanken Tänzkörpern wurden in brillanter, unkonventioneller Weise auf den Kopf gestellt… so unterhaltsam und amüsant läßt man gerne mit seinen „eingefahrenen Vorstellungen“ aufräumen.“

(Rezension anläßlich der Duisburger Akzente 99)

„Paradise now?“  (2000) )Performance und Walkact /Indoor/Outdoor

Anläßlich der EXPO 2000 wurde eine Performance zum Expothema Mensch, Natur,Technik entwickelt, die u.a. im Zusammenhang mit der BodenSINNfonie des Komponisten Willem Schulz in Osnabrück und auf dem Expogelände in Hannover stattfanden.

Kreatürlichkeit kommt in den meditativen und rhythmisch pulsierenden Bewegungsskulpturen von STAKKATO zum Ausdruck. Der Kreislauf, in der Mensch und Natur sich befinden, weist hin auf Lebensprozesse, auf Werden und Vergehen. Es sind eindrückliche Gegenbilder zu Körperansichten, die von Fitness und Jugendlichkeit geprägt, die Auseinandersetzung mit Veränderung und Wandlung ausblenden. Die Transparenz der Bewegungsbilder von STAKKATO, die hinter dem Kulturgeschöpf Mensch seine Wesenhaftigkeit, Teil eines Ganzen zu sein, durchscheinen lassen, ermöglichen dem Betrachter einen assoziativen und konfrontativen Dialog.

“ Paradise now?“ wurde u.a. auf der EXPO 2000, Hannover im Rahmen der „BodenSinnfonie“ von Willem Schulz aufgeführt.

„M-u-i-n-n-e-l-l-i-m Saga“ (2000)

Das Gemälde „Das Narrenschiff“ von Hieronymus Bosch aus dem 15. Jahrhundert hat STAKKATO, MUSICIANS and FRIENDS zu ihrem 2000 realisierten Tanztheaterstück inspiriert.
Dieses Bild gibt Rätsel auf, es erschöpft sich in Symbolen, die nicht eindeutig auslegbar sind, die aber als Zeitspiegel am Beginn der Neuzeit etwas von Loslösung und Aufbruch durchscheinen lassen. Das „Narrenschiff“ mit seiner illustren Ansammlung unterschiedlicher Menschentypen lässt den Eindruck entstehen, dass hier alle sich wohl fühlen und zugleich alle verwirrt sind.

Die Tanzbilder von „Muinnellim-Saga“ sind teilweise Analogien zum „Narrenschiff“, sie spiegeln die Mehrdeutigkeit von Wirklichkeit heute, die Suche nach Identifikation, die Erfordernisse von Wandlungsfähigkeit und Beweglichkeit in Zeiten ständiger Veränderungen. Ein sicherer Standort ist nicht gewiss.

STAKKATO, MUSICIANS and FRIENDS lassen persiflierend die Antipoden Homo Ludens und Homo Faber an Deck und an Land der „Muinnellim“ aufspielen. Als Gegenspieler zweier Lebensprinzipien machen sie gemeinsame Sache, der Macher und der Spieler, der Bewahrer und der Erneuerer. Sie fallen durch jedes Raster, sind normal und ver-rückt zugleich. So lassen sie Zukunftsvisionen als Zerrbilder aus dem Spannungsgefüge von Realitäts- und Lustprinzip entstehen.

Es wirken mit: 20 Tänzerinnen, 3 Musiker (Cello, Keyboards, Percussion, Klavier) und ein Sprecher/Sänger. Spieldauer ca. 80 Minuten ohne Pause.
Uraufführung war im März 2000 in der Salzmarkthalle Osnabrück
Das Stück ist geeignet für große Räume, Fabriken etc.

Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ vom März 2000 schrieb dazu:

„…das Publikum hat die Gelegenheit sich nach Narragonien entführen zu lassen, dem Traumland der Narren…Nachdem kurz zuvor noch apokalyptische Visionen durch virtuoses Arrangement von Musik, Tanz und Ausstattung eine Atmosphäre der Bedrohlichkeit vermittelt haben, entsteht hier ein Zauber, dem sich wohl kaum jemand entziehen kann…Dass die Choreographin nie auch nur den Versuch unternimmt, diese Spannung aufzulösen, sondern Brüche zulässt, macht diese Inszenierung so interessant und verleiht ihr eine außergewöhnliche Dichte.“

„Friedensleid und Kriegesfreud“ (1998)

Das Projekt „Friedensleid und Kriegesfreud“ entstand 1998 anläßlich der 350-Jahrfeier „Westfälischer Frieden“ für Osnabrück. Das Tanztheaterstück will hinweisen auf die bedrohliche Anwesenheit des Krieges im Frieden und die oftmals brisante Wirkung antagonistischer Kräfte im Menschen, dem Streben nach Mitmenschlichkeit und Frieden sowie nach Macht und Unterdrückung. STAKKATO fasst Situationen und Emotionen von Macht, Gewalt, Hoffnung und Mitmenschlichkeit in eine plastisch-suggestive moderne Tanzsprache in Wechselwirkung mit Texten aus historischer und heutiger Zeit und live eingespielter Musik.
Gesamtdauer ohne Pause ca. 70 Minuten, als Bühnenstück oder Openair sowie in einzelnen Szenen realisierbar.

„…Die Dialektik des Titels wird zum inhaltlichen Programm: da wird mit Freuden gekämpft, doch die Gegner entziehen sich. Da wird unterdrückt und gequält, obwohl der Krieg beendet ist. Martialische Gesten und hinterlistige Grimassen treffen auf unschuldige Minen.(….) Intensive Bilder entstehen: da ziehen sich bornierte Verhandlungspartner im wahrsten Sinne des Wortes über den Tisch, aus großen Quadern wird eine Grube gebildet, in der die menschlichen Abfälle der Schlacht entsorgt werden, eine Leiter wird zum Symbol der Hoffnung… Eindringlich wird das Stück von Live-Musik begleitet…“

Neue Osnabrücker Zeitung, 06.07.98